Chronik

Reichenfelsalt

Feuer und Wasser – beide Segen und Fluch des Menschen – bilden auch in unserer hochtechnisierten Gegenwart nocht oft schwer zu bewältigende Probleme. Der Ruf „Feuer“ des mittelalterlichen Türmers erschreckte damals nicht nur die Bewohner von Markt und Stadt, auch noch heute verbreitet der Sirenenton Angst, Sorge und Schrecken.

Schon frühzeitig war man in Märkten und Städten bemüht, feuervorbeugende Maßnahmen, die in den sogenannten „Feuerordnungen“ zusammengefaßt waren, zu ergreifen; so erließ z.B. 1454 der Magistrat von Wien und 1693 derjenige von Klagenfurt solche Feuerverordnungen. In den Dörfern hingegen wurde den Bewohnern durch Verlesen der sogenannten „Weistürmer“ (das waren Rechtsregeln der ländlichen Gemeinschaft) unter anderem auch das vorsichtige Umgehen mit dem Ascheausleeren bzw. mit dem Hantieren mit offenem Licht eindringlich nahegebracht.

Im Jahre 1686 erließ Kaiser Leopold I. (1658 – 1705) für die Erbländer ein Feuerschutzgesetz, das, teilweise verbessert, 1719 von Preußen übernommen wurde. Löschordnungen, die die Bereitstellung und Anwendung von Feuerbekämpfungsmitteln regelten, gab es schon im 13. Jh. in deutschen Landen: Hier ist die Rede von Wassereimern, Leitern, Feuerhaken etc. Einen großen Fortschriftt zur Feuerbekämpfung bedeutete die Erfindung des Löschgerätes mit Druck- und Saugschlauch samt Windkessel im Jahre 1655 des niederländischen Malers Jan van der Heyden. Daneben waren noch lange, und hier speziell in ländlichen Gegenden, die tragbaren Feuerspritzen mit Holzkasten, Pumpe, Kolben und Rohr in Gebrauch. Ein solch` fahrbares Prachtstück dieser Art aus 1751 kann noch heute im fränkischen Heimatmuseum Feuchtwangen bewundert werden.

In Verbindung mit der deutschen Turnbewegung Friedrich Ludwig Jahns (1778-1852) kam es innerhalb des Deutschen Bundes, dem auch Österreich bis 1866 angehörte, im Jahre 1841 in Meißen/Sachsen zur Gründung der ersten Freiwilligen Feuerwehr, die milizähnlichen Charakter hatte. In Österreich begründete der Klagenfurter Bürger Ferdinand Jergitsch (1837-1900) nach deutschem Vorbilde am 14. Juni 1864 in Klagenfurt die erste freiwillige Feuerwehr, deren erster Hauptmann er auch wurde. Jergitsch war die treibende Kraft im Anfangsstadium des österreichischen freiwilligen Feuerwehrwesens. Seinem Beispiel folgten noch im gleichen Jahre Krems, Villach und Wien. Jergitsch`s Wirken fand Dank und Anerkennung beim Ersten österreichisch-ungarischen Feuerwehrtag am 4. September 1869 in Klagenfurt, der nur seiner Initiative zu verdanken war. Hier wurde der Grundstein für weitere Freiwillige Feuerwehrverbände gelegt, so wurde unter anderem auch 1876 die Freiwillige Feuerwehr Reichenfels gegründet.

Daß vor diesem Gründungsjahr der Freiwilligen Feuerwehr in Reichenfels sich deren Bewohner bei ausbrechenden Bränden und Hochwasserfluten gegenseitig halfen, darf als sicher angenommen werden. So z.B. als am 30. Juni 1595 der Markt fast völlig abbrannte; oder am 29. Juli 1669 als fünf Häuser im Orte den Flammen zum Opfer fielen! Furchtbar wütete auch im Herbst des Jahres 1831 eine Feuersbrunst, die insgesamt 32 Häuser nieder brannte und nur Kirche und Schulgebäude verschont blieben. Am Jacobi-Sonntag 1872 brannten 9 Häuser ab. Man war diesen Gewalten ganz einfach nicht gewachsen und mußte oft machtlos das rasende Element wüten lassen. Es schien daher schon im eigenen Interesse der Ortsbewohner geboten, im Sinne Jergitsch` eine ständig einsatzbereite Männergemeinschaft zur Brandbekämpfung auf freiwilliger Basis zu gründen. Und so kam es dann vor knapp 130 Jahren, am 13. Juli 1876, unter der Führung des seinerzeit im Kampitschhaus gewesenen Kaufmannes Franz Egger zur Gründung der Reichenfelser Freiwilligen Feuerwehr. Egger wurde auch ihr erster Hauptmann.

 

Folgende Kommandanten standen der Wehr bis heute vor:

1876 – 1881 Franz Egger
1881 – 1892 unbekannt
1892 – 1901 Johann Weinberger (I)
1901 – 1906 Gottlieb Köppl
1906 – 1912 Gabriel Reiter
1912 – 1919 Konrad Walcher
1919 – 1921 Albert Schullin
1921 – 1925 Anton Mikutta
1925 – 1926 Johann Weinberger (II)
1926 – 1927 Stefan Jäger
1927 – 1928 VL Piterka
1929 – 1932 Stefan Jäger
1932 – 1934 Hans Perchtaler
1934 – 1935 Rudolf Schilcher
1935 – 1938 Matthias Lichtenegger
1938 – 1940 Matthias Koller
1940 – 1947 Leopold Lechner
1947 – 1951 Felix Steinkellner
1951 – 1973 Dipl. Ing. Johann Weinberger (III)
1973 – 1991 Alex Steinkellner (I)
1991 – 2000 Hubert Baumgartner
2000 – Alex Steinkellner (II)

 

Im Rahmen der Gemeindezusammenlegung im Jahre 1957 wurden auch die beiden Wehren Reichenfels und St. Peter zur FF Reichenfels – St. Peter zusammengelegt. Bis zu diesem Zeitpunkt sind folgende Kommandanten der ehemaligen FF St. Peter bekannt:

 

Josef Obersteiner
Valentin Mostögl
Josef Sturm
Josef Sattler

 

Neuzeitliche Höhepunkte im Reichenfelser Feuerwehrwesen:

1974 Das erste Tanklöschfahrzeug wird in den Dienst gestellt
1984 Inbetriebnahme des neuen Rüsthauses
1984 Der Steyr Puch Pinzgauer ersetzt den ausgedienten Ford Transit
1989 Unsere „Olympia-Gruppe“ holt bei den internationalen Feuerwehrleistungsbewerben in Warschau/Polen eine Goldmedaille
1991 3. Platz bei den Bundesleistungsbewerben in Hallein
1994 Das neue Tanklöschfahrzeug wird übernommen
1998 Der alte Landrover wird gegen einen neuen KLFA Mercedes Sprinter ausgetauscht.
2001 Wir sind 125 Jahre zum Schutz und zur Sicherheit der Bevölkerung im Dienst
2006 Wir feiern 130 Jahre Freiwillige Feuerwehr Reichenfels-St. Peter mit einem 3 Tage-Zeltfest und Übergabe eines neuen Einsatzfahrzeuges.
2012 Anfang Juli kam es nach sintflutartigen Niederschlägen zu großräumigen Überschwemmungen, im Besonderen entlang der Lavant. Viele Häuser und Gebäude vorallem im unteren Markt waren mit Schlamm durchzogen und schwer in Mitleidenschaft gebracht. Mehrere Tage standen die Kameraden dabei im Einsatz.
2012 Im Rahmen unserer 135 Jahrfeier mit einem großen Fest am Werksgelände der Fa. Weinberger, veranstalteten wir auch einen bundeseinheitlichen Leistungsbewerb als Vorbereitung auf Bundesmeisterschaften in Linz. Zahlreiche Gruppen aus der Steiermark, sowie alle qualifizierten Gruppen aus Kärnten waren am Start.